Dienstag, 10. Februar 2015
Das Leben in Johannesburg
Unter der Woche spielt sich der größte Teil des Lebens auf dem Campus ab. Das liegt auch daran, dass man sich in der Stadt nur mit Taxis bewegen kann/sollte, da es zu Fuß in JoBurg zu gefährlich ist. Der Campus ist aber ziemlich groß, d.h. man kann auch hier einiges unternehmen. Unsere Tage beginnen oft mit einer Joggingrunde am Zaun des Campus entlang. Das sind etwa 3 km und dadurch, dass man nur bergauf oder bergab läuft gerade ausreichend für den Frühsport. :)
Ich wohne auf dem Campus in einem Wohnheim- Student Town- das aus vielen Häusern besteht die jeweils zwei Stockwerke mit getrennten Eingängen haben. In jedem Haus wohnen 16 Personen, immer 8 Männer und 8 Frauen, jeweils nach Geschlecht getrennt. (Alle Frauen oben, alle Männer unten oder umgekehrt) Die Häuser sind in Ordnung aber die Zimmer ähneln einer Knastzelle. Man lebt auf ca. 12 qm, das Bett ist winzig klein und vor den Fenstern sind Gitterstäbe.

Natürlich dienen die Gitter nur der eigenen Sicherheit und dem Schutz vor Einbrechern. Die Gemeinschaftsräume, dh Küche und angrenzender Essbereich sind aber völlig in Ordnung. Hier finden viele Leute gleichzeitig Platz. Dadurch, dass man so viele Leute kennen lernt ist man ohnehin nicht oft in seinem Zimmer :-)
Ich bin jetzt seit fast einer Woche hier und "durfte" schon zweimal Load Shedding erleben. Das bedeutet, dass der Strom abgestellt wird. Der Stromlieferant Eskom ist am Pleite gehen dh er hat nicht genügend Kapazität um das ganze Land mit Strom zu versorgen. Um einen unkontrollierten Stromausfall fürs ganze Land zu verhindern gibt es planmäßige Stromabschaltungen. Hierbei werden dann ganze Viertel für 2-3 Stunden einfach abgeschaltet und man sitzt im dunkeln ;-) Dies ist auch darauf zurück zu führen, dass die teilweise korrupte Regierung das Unternehmen nicht frühzeitig Unterstützt hat. Allerdings schweißt ein Stromausfall auch zusammen. Da man ohne Elektrizität besonders abends kaum was machen kann sitzt man dann eben mit allen zusammen und redet und erfährt interessante Dinge über das Land und die anderen Leute.
Was mich am Meisten überrascht und auch etwas schockiert hat, ist dass immer noch, trotz Ende der Apartheid, eine große Trennung zwischen den verschiedenen Gruppen herrscht. Gerade auch an der Uni merkt man das extrem. Bei der Registration/ Immatrikulation und im Wohnheim und bei der Anmeldung für den Sport muss man immer angeben welcher Rasse man Angehört. Auf jedem Formular muss man ankreuzen ob man Weiß, Schwarz, Indisch oder Coulered ist. Man merkt also dass die Rassentrennung immer noch ein großes Thema in dem Land ist. Natürlich versuche wir als Internationals alle Gruppen kennen zu lernen und besonders bei den Schwarzen kommt das oft gut an. Es freuen sich immer alle wenn wir versuchen mit ihnen ins Gespräch zu kommen und es sind alle furchtbar hilfsbereit und nett. Dieses Gefühl, dass man willkommen ist, ist wirklich schön und es ist eine tolle Erfahrung.

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