Dienstag, 21. Juli 2015
Soweto
Nachdem ich nun schon seit 6 Monaten in Johannesburg lebe, habe ich es endlich geschafft auch Soweto zu erkunden. (Oder zumindest Teile davon) Soweto steht für South Western Township und liegt im (große Überraschung) Südwesten von Johannesburg. Gegründet wurde Soweto während der Apartheid, als ein Zusammenschluss zahlreicher Townshipsiedlungen. Nach dem Ende der Apartheit bis vor etwa 10 Jahren war Soweto eine eigenständige Stadt. Danach wurde es wieder an Johannesburg angegliedert. Seiner Größe nach, gleicht Soweto auch heute noch mehr einer eigenen Stadt, die jedoch nach wie vor Townshipcharakter hat. Soweto gliedert sich wiederum in etwa 30 Townships/Orte. Allein zwischen diesen Townships sieht man eine extreme Kluft zwischen arm und "reich". Die Bevölkerung in Soweto ist überwiegend schwarz. Alle 11 Landessprachen sind hier anzutreffen. Je nach Gebiet wohnen hier Bevölkerungsschichten von der Mittelschicht bis hin zur absoluten Armut. Offiziell leben in Soweto etwa 1 Mio Einwohner. Die Dunkelziffer übersteigt diese Zahl jedoch deutlich. So wird davon ausgegangen dass schätzungsweise 4,5 Mio Menschen in Soweto leben.
Die Häuser (oder Wellblechhütten) stehen teilweise so eng aneinander, dass man in die Straße kaum reingucken kann. Das Bewegen in den engen Gassen ist teilweise auch schwer. An ein Fahren (mit jeglichem motorisierten Gefährt) braucht man gar nicht zu denken. In Soweto gibt es etwa 250 Schulen und eine Universität bzw einen Campus. Fast alle Schulabsolventen müssen somit versuchen in Johannesburg oder Umgebung einen Studien- oder Ausbildungsplatz zu finden. Die Ausbildungschancen in Soweto selbst sind eher gering.
Die Menschen versuchen mit sehr wenigsten Mitteln einen Beruf auszuführen um Geld zu verdienen. So sieht man beispielsweise am Rande von Straßen und Feldern sogenannte Autowerkstätten. Hier versuchen Personen mitten auf dem Feld mit ein paar Schraubenziehern Autos zu reparieren. An der Straße entlang bilden sich eine lange Schlange von Autos mit Personen, die hoffen, dass hier jemand ihr Auto reparieren kann. Diese Art von Werkstätten sind natürlich sehr Wetterabhängig. Im Regen und Sturm kann die Arbeit kaum durchgeführt werden.
In weiten Teilen der Townships gibt es weder Strom noch fließendes Wasser. Wer genug Geld sparen kann, kauft sich daher einen Wassertank und eine Solarzelle, die auf dem Dächern der Hütte angebracht wird.
Aufgrund der Bedeutung Sowetos für die Geschichte Südafrikas hat sich Soweto zu einem touristischen Ort entwickelt. Viele Museen und Denkmäler wurden in Soweto errichtet. So findet man beispielsweise ein Denkmal und ein gleichnamiges Museum für Hector Peterson und alle Opfer die bei den Schüler- und Studentenprotesten im Jahre 1976 ums Leben kamen.
Bei besagten Aufständen war die Richterin, die im Prozess von Oscar Pistorius entschied, als Journalistin selbst anwesend. Auch die Ex-Frau von Mandela lebt immer noch in Soweto. Das alte Haus von Mandela in der Vilakazi Street ist als Museum eingerichtet und gedenkt an Mandela und informiert über das Leben während der Apartheid.

Der Ausflug hat mich tief Beeindruckt und zum Nachdenken angeregt. Einerseits erfährt man an diesem geschichtsträchtigen Ort viel über die Geschichte des Landes und lernt dank der (für Touristen) errichteten Denkmäler und Museen eine Menge über den Ablauf der Aufstände und des Lebens während der Apartheid. Andererseits sieht man aber auch extreme Armut und Menschen die unter fragwürdigen Hygienischen Bedingungen auf engstem Raum ohne Wasser und Elektrizität leben müssen. Dieses bedrückende Gefühl zwischen den Wellblechhütten wünscht man keinem und es ist erschreckend, wie viele Menschen dort leben und sich selbst vermutlich noch als glücklich schätzen, weil sie überhaupt ein Dach über dem Kopf haben und mit ihrer Familie zusammen leben dürfen.
Fazit: Wir sollten lernen zu schätzen wie gut es uns geht.

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