Freitag, 20. November 2015
Volunteering 9.11.-19.11.
Nach meinen Klausuren habe ich 10 Tage in einem Reservat ein Programm für ehrenamtliche Arbeiter mitgemacht. Dieses Projekt war eine Mischung aus Urlaub und Arbeiten. Wir haben Einblicke in die Arbeiten eines Rangers erhalten und uns selbst darin versucht. Zu unseren Aufgaben gehörte es unter anderem die Zäune auf Elektrizität zu kontrollieren und zwischen Innen- und Außenzaun einen Graben schaufeln um einen Feuerschutz für das Reservat zu erzeugen. Außerdem haben wir Bäume gefällt, die nicht in Südafrika heimisch sind und daher zu viel Wasser benötigen und alte Häuser, die noch aus früheren Zeiten stammen, abgerissen. Das Gebiet des Reservates war früher Farmland und war ein Zwischenstopp für Händler zwischen Grahamstown und Port Elizabeth. Außerdem haben wir die Gräser untersucht und katalogisiert, da die Antilopen bestimmte Gräser brauchen und regelmäßig kontrolliert wird, ob der Grasbestand für das vorhandene Wild ausreicht. Teilweise waren die Aufgaben mit sehr viel Spaß und tollen Erfahrungen verbunden:
- Ich kann einen Baum mit einer Axt fällen- tolles Gefühl wenn es kracht und der Baum fällt!
- Ich kann eine Steinplatte mit dem Schlaghammer in Stücke hauen  Dabei dachte ich zuerst, dass ich nicht mal in er Lage wäre den Hammer über meinen Kopf zu heben :D
Daneben haben wir natürlich ganz viele Safaris gemacht und viele Tiere gesehen. Wir hatten das Glück Löwen bei einer Jagd zu beobachten. Leider war die Jagd nicht erfolgreich. Dafür haben wir die Löwen an einem anderen Tag mit einem toten Zebra gefunden.

Auch nach diversen Safaris ist es immer wieder beeindruckend so nah an die Tiere ranzukommen und sie zu beobachten. Die meisten Tiere akzeptieren die Gegenwart von Menschen, da sie an die Autos gewöhnt sind. Trotzdem sind die meisten Tiere weiterhin skeptisch und aufmerksam wenn sich ein Auto nähert. Besonders Elefanten sind sehr beschützende Tiere. Sobald sie das Geräusch eines Motors hören werden die Jüngsten in die Mitte geschoben und die Älteren positionieren sich außen rum. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass Elefanten unglaublich lange tragen, bevor sie ihre Jungen zur Welt bringen, dh Nachwuchs kann nicht besonders schnell ersetzt werden.

Ein Junges, dass 22 Monate im Bauch der Mutter heranwächst bedarf zum Überleben der Rasse mehr Schutz als ein Junges das bereits nach einigen Monaten das Licht der Welt erblickt.
Da gerade Paarungszeit und Geburtenzeit ist, haben wir sowohl sich Fortpflanzende Tiere, als auch Neugeborene gesehen. Eine andere Gruppe hatte sogar das Glück, eine Geburt eines Blessboks live mitzuerleben. Wir haben das Junge dann erst nach 2-3 Stunden gesehen, als es schon relativ normal laufen und springen konnte. Unsere Guides und „Vorarbeiter“ haben uns viele interessante Fakten über die Tiere erzählt.
Neben dem eigentlichen Reservat gibt es noch eine Elefantenaufzucht und ein Rehabilitationszentrum für Tiere, die in der Wildniss nicht überlebensfähig sind. In der Elephant Sanctuary werden Elefanten trainiert.

Wir hatten die Chance die Elefanten zu füttern und anzufassen und zu reiten. Die Haut und den Rüssel von dem Elefanten zu berühren war schon toll, allerdings bin ich von dem Konzept des Reitens nicht wirklich überzeugt. Das Rehab-Center hat mich da schon mehr begeistert. Neben zwei Sträußen und einem Gnu befinden sich vor allem Katzen in dem Zentrum. Unter den Katzen befindet sich eine Tigerfamilie die aus einem Privathaushalt gerettet wurde. Die Tiger wurden illegal nach Südafrika eingeführt und als Haustiere gehalten, bis der Tierschutz davon erfahren hat. Danach wurden sie in das Rehab-Center gebracht und sollen in ihre Heimat- also Asien- überführt werden. Allerdings wurde noch kein geeigneter Platz gefunden und daher verweilen sie in dem Zentrum. Mittlerweile haben sich diese beiden Tiger auch fortgepflanzt und haben eine nette kleine Familie gegründet. Außerdem gibt es noch eine Gepardenfamilie, die aus dem Reservat vor dem Verhungern gerettet werden musste, da sie von dem Löwenklan gemobbt wurde. (Die Löwen haben die Geparden jagen lassen und ihnen anschließend die Beute streitig gemacht) Im Optimalfall sollen die Geparde in ein anderes Reservat kommen, im Austausch mit anderen Tieren. Allerdings ist es schwierig ein geeignetes Reservat zu finden, da man keinen unnötigen Kampf zwischen den Raubkatzen erzeugen will und in einem Reservat auch nur eine bestimmte Anzahl an Katzen benötigt wird. Andernfalls entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Jägern und Gejagten. Außerdem gibt es noch eine Familie mit weißen Löwen. Die Farbe eines Löwen entsteht, wie die Haarfarbe bei Menschen, durch dominante und rezessive Gene. Das Weiß wird durch ein rezessives Gen übertragen. Die weißen Löwen werden zwar in den Rudeln in freier Wildbahn akzeptiert, aber haben oft keine gute Überlebenschance, da sie nicht in der Lage sind zu jagen, da sie leichter gesehen. Daher werden die weißen Löwen oft in Rehab-Centern gefunden. Eins meiner Highlights war die Fütterung der Löwen. Es war zwar kein angenehmer Anblick das ganze tote Fleisch zu sehen (wie z.B. tote Kuhföten, ganze Beine von Kühen, Innereien, Hirn…) aber es war definitiv ein Erlebnis. Wir hatten so viel Spaß das Fleisch über den Zaun in die Gehege zu befördern und die Reaktion der Tiere ist großartig. Jeder will das Beste haben aber keiner traut sich so richtig raus, solange Leute vor dem Zaun stehen. Die Gehege in dem Rehab- Center sind verhältnismäßig groß, also die Tiere können sich gut verstecken, sodass man sie nicht unbedingt sieht. Dann kann es schon erschreckend sein, wenn auf einem ein Löwe aus dem Gebüsch schießt, sich ein Stück Fleisch schnappt und genauso schnell wieder verschwindet.
Alles in Allem waren diese 10 Tage lehrreich und lustig zu gleich. Ich hatte eine tolle Zeit und es war eine super Erfahrung.

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren





Parys, 24.-25.10.
Aufgrund der Studentenproteste haben wir kurzfristig beschlossen das Wochenende in einem kleinen Dörfchen namens Parys (oder Paris?!^^) zu verbringen. Offensichtlich ist der Name an die französische Hauptstadt angelehnt. Das Städtchen ist durch und durch Afrikaans, weshalb man vor allem als blonde weiße Frau ganz selbstverständlich auf Afrikaans angesprochen wird. Immerhin sind meine Afrikaanskenntnisse mittlerweile so gut, dass ich den Leuten mitteilen kann, dass ich leider kein Afrikaans spreche. Wir haben das Wochenende genutzt um zu entspannen.
Parys liegt Mitten im Krater eines Metroiteneinschlags (vor 2 Milliarden Jahren).Wir haben also die Natur erkundet und genossen bei einer kleinen Kanutour auf dem Fluss und haben uns die Überreste des Einschlags angesehen. Einer unserer Begleiter ist Geologe, daher hatten wir einen kompetenten Führer. Wirklich viel sehen tut man nämlich nicht, wenn man keine Ahnung hat. So konnten wir jedoch tatsächlich den Unterschied zwischen den Felsen sehen, dass die Schichten in verschiedene Richtungen zeigen, was darauf hindeutet, dass der Meteorit die Steinplatte beim Aufprall um ca. 90° gedreht hat usw. Durchaus interessant. Aber natürlich haben wir die Zeit auch einfach genutzt um abzuschalten, zu tanzen und die Zeit zu genießen.
Ein sehr gelungenes Wochenende.

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren





Proteste in Südafrika
Aufgrund von geplanten Erhöhungen der Studiengebühren, sind die Studenten am Protestieren. Was zunächst harmlos an einigen Universitäten begann, hat sich mittlerweile über das ganze Land ausgebreitet. In jeder Universitätsstadt ziehen Studenten auf die Straßen, zu den Unis um gegen die Gebühren zu protestieren. Leider läuft eine solche Demonstration in Südafrika nicht ganz so friedlich ab, wie wir das aus Deutschland gewöhnt sind. Auf beiden Seiten wird Gewalt angewendet. Die Polizei setzt Schlagstöcke, Tränengas und in Extremfällen sogar Schusswaffen ein, um die Demonstrationen aufzulösen. Die Studenten dagegen brechen Zäune und Tore nieder um auf abgesperrtes Gelände zu gelangen und sind gewalttätig gegenüber Personen, die nicht mitdemonstrieren. So wurde zum Beispiel das Auto eines jungen Mann von der Masse auf den Kopf gedreht, während er im Auto saß. Der Mann wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Die Demonstranten sind nachts auf das Universitätsgelände der UJ gestürmt und haben die abgesperrten Tore niedergerissen. Glücklicherweise haben sich die Proteste etwas gelegt, nachdem President Zuma versprochen hat, dass es für 2016 keine Erhöhung der Gebühren geben wird. Allerdings hat die Regierung kein Geld, mit dem sie die Universitäten unterstützen könnte. Daher müssen die Universitäten aus dem privaten Sektor Geld einsparen, wodurch es zu Gehaltskürzungen und Entlassungen kommt.
Um sich in die Reihe der Demonstrierenden einzureihen, haben dann nach den Studenten die Reinigungskräfte angefangen zu streiken, da sie mehr Gehalt wollen. Die Reinigungskräfte an der Uni sind von einer externen Firma angestellt, sie wollen aber lieber bei der Uni direkt beschäftigt werden. Auch hier wird nicht nur demonstriert, nein, ganze Mülltonnen werden entleert und es wird extra viel Müll erzeugt. Daher sieht das ganze Universitätsgeländer aus wie eine große Müllhalde. Und obwohl die Universität angekündigt hat, dass ab 2016 die Putzkräfte direkt bei der Uni beschäftigt werden und der Streik offiziell beendet wird, wurde die Arbeit nicht wieder aufgenommen.
Andere Länder, andere Sitten. Man gewöhnt sich an alles und lernt die Ordnung in Deutschland zu schätzen.

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren